22. Februar - Höhlenzauber und der Fluch des Papayasalates

Feines thailändisches Essen, günstige Guesthouses, ein Seitenstreifen, auf dem man sanft dahingleiten kann, kein Dauergehupe mehr und niemanden, der einem vom Roller oder dem Bus aus den roten Betelnussbrei direkt vor den Vorderreifen spotzt (eine burmesische Unart, die bei Sabine ein kleines Trauma verursacht hat) - Radfahren in Thailand hat durchaus Vorzüge.

Wir folgten den Empfehlungen anderer Radreisender und radelten auf einer kleinen Straße direkt an der Grenze zu Myanmar nach Norden. Schöne hügelige Waldlandschaft, herrliches Wetter und sehr wenig Verkehr ließen unsere Reiseradlerherzen höher schlagen.

Während wir die europäische Flüchtlingskrise ja nur über die Nachrichten aus der Ferne mitbekommen, radelten wir an der thailändischen direkt vorbei: Hier im Grenzgebiet liegt entlang der Straße ein Camp von über 50000 Karen (eine der vielen Volksgruppen aus Myanmar), die vor den jahrelangen Kämpfen der Armee gegen Rebellengruppen nach Thailand geflohen sind. Und auch wenn die Bambushütten im Sonnenschein schon fast idyllisch wirkten, so konnte man doch die Enge und Hoffnungslosigkeit hinter dem von Soldaten bewachten Stacheldrahtzaun spüren.

Am zweiten Tag hatten wir nur gute 30 Kilometer vor uns und so beschlossen wir spontan, noch einen Abstecher zu einer der vielen Höhlen in dieser Gegend zu machen. "Guide?", fragte uns der freundliche Ticketverkäufer. Wir deuteten auf unsere Stirnlampe und lehnten dankend einen der jugendlichen Führer ab, wollten wir doch die Höhle selber erkunden und genug Zeit zum Fotographieren haben (und Langzeitbelichtungen im Dunkeln dauern eeewig!). Schon nach etwa 50 Metern zweifelten wir ein wenig an unserer Entscheidung, als wir im Finstern vor einem kleinen Fluss standen. Nach einigem Umherleuchten waren wir uns sicher, dass wir da wohl durch müssen. Also Schuhe ausgezogen, durch das knietiefe Wasser gewatet, auf der anderen Seite barfuß durch den Fledermausdreck getapst, dann nochmal durch den Fluss und schon konnten wir den Weg wieder erkennen. Dieser führte zunächst in der Dunkelheit an schönen Tropfsteinformationen vorbei ...

... bis dann durch einige Öffnungen Teile der Höhle wunderbar beleuchtet wurden.

Nun hatten wir gelesen, dass es sich um eine Durchbruchshöhle handelt, also sollte es wohl irgendwo auf der anderen Seite wieder hinausgehen. Nach einigen Irrwegen und abenteuerlichen Kraxeleien zwischen den Stalagmiten hatten wir dann tatsächlich einen Weg ins Freie gefunden, ...

... stapften ein wenig durchs Gestrüpp in Richtung einiger kleiner Hütten und überquerten einige Bäche auf labilen Bambuskonstruktionen. Mit Hilfe des GPS gelangten wir dann auf kleinen Pfaden um den Berg herum wieder zum Eingang, wo sich der Ticketverkäufer wohl schon fast ein wenig Sorgen um uns gemacht hatte, waren wir doch gute drei Stunden unterwegs gewesen ...

Erst in der Dämmerung erreichten wir den nächsten Ort, fanden gleich ein kleines Guesthouse, duschten, schmissen uns in unsere "Ausgehklamotten" und machten uns mit inzwischen knurrendem Magen auf die Suche nach einem Restaurant. Wir fanden auch eines, das war nur leider schon geschlossen. Ein nettes Ehepaar, das auf der Terrasse des benachbarten Hauses gerade zu Abend speiste, machte uns verständlich, dass es kein weiteres Restaurant gab. Doch kein Problem, die Dame des Hauses bat uns zu sich an den Tisch, ließ das eigene Essen stehen und kochte ratzfatz ein feines Abendessen für uns. Eine Bezahlung lehnte sie später vehement ab. Supernett!

Am nächsten Tag ging es in endlosem Auf und Ab quer durch die thailändische Bergwelt.

Nach 2000 zum Teil sehr steilen und schweißtreibenden Höhenmetern war uns klar, dass wir es wohl nicht mehr bis zum nächsten Ort mit Guesthouse schaffen würden. In einem kleinen Laden konnten wir zum Glück noch zwei Bierchen und Krabbenchips zum Abendessen erstehen, um dann einige Kilometer weiter auf einem Hügel ein herrliches Fleckchen für unser Zelt zu finden. Auch wenn es einige Schlepperei war, bis wir unser Gepäck dort oben hatten, die tolle Aussicht war es allemal Wert ...

Schließlich gelangten wir auf den "Loop", einen Rundkurs, der sich mit 1864 Kurven durch die Berge schlängelt, wie auf T-Shirts und Stickern zu lesen ist. Wir haben es nicht nachgezählt, aber die Strecke ist definitiv sehr kurvig und hügelig ...

..., führt durch verschlafene Ortschaften und Holzhüttendörfer der Bergvölker, die so gar nicht zu der neuen Teerstraße passen wollen.

Auf den Markt in Mae Hong Son kommen ebenfalls viele der Bewohner der Bergdörfer, um ihre Waren anzubieten oder einzukaufen. Hier haben wir auch eine Frau der Volksgruppe der Padaung getroffen. Erschreckender Weise werden hier im Norden Thailands viele dieser "Langhalsfrauen", die aus Myanmar geflohen oder hierher gebracht wurden, in Schaudörfern als Touristenattraktion "gehalten". Sie dürfen diese Dörfer wohl teilweise nicht verlassen und auch die Ausreise aus Thailand wird ihnen verweigert. Uns war das angebotene Ethnotrekking zu bestimmten Volksgruppen generell suspekt, da wir in den Bergdörfern, durch die wir geradelt sind, eher das Gefühl hatten, als Tourist nicht besonders willkommen zu sein. Auch das sollte man dann wohl respektieren.

Die vielen kleinen Ortschaften entlang der Straße machten das Radeln auf dem Loop sehr angenehm, gab es doch immer ein nettes Cafe oder Straßenrestaurant in dem wir gut und günstig essen konnten. In Thailand fühlten wir uns essensmäßig inzwischen sehr sicher. Vielleicht ein wenig zu sicher? Sabine versuchte einen Papayasalat, der uns von anderen Reisenden als thailändische Spezialität empfohlen worden war. Ich fand ihn gruselig und auch Sabine mochte ihn eigentlich nicht wirklich. Hätte sie nur auf ihr Bauchgefühl gehört. Die folgende Nacht verbrachte sie überwiegend auf der Toilette :-( Zunächst ging es ihr dann etwas besser und wir machten sogar eine kleine Tour in die schöne "Korallenhöhle" (diesmal mit Guide) ...

... aber in den kommenden Tagen verschlimmerte sich der Durchfall immer wieder und so langsam war auch immer weniger Sabine übrig. Erst mit Antibiotikum und nach einem Abstecher zum Krankenhaus in Chiang Mai (das übrigens einen besseren Eindruck gemacht hat als manch deutsches Krankenhaus) besserte sich die Lage wieder. Zwei Aufpeppeltage in Chiang Mai gönnten wir uns, besichtigten sogar noch ein paar Tempel ...

..., dann aber waren unsere Thailandvisa schon fast abgelaufen. Für einen größeren Teil der Strecke ins Dreiländereck von Thailand, Myanmar und Laos kam daher Plan B ins Spiel: B wie Bus. Bei Chiang Rai hatten wir dadurch sogar noch Zeit, den Weißen Tempel zu besuchen, den hier ein Künstler seit 1998 erbaut und stetig erweitert.

Selbst die Fische im Teich waren farblich auf den Tempel abgestimmt ...

Versteckte Mohnanbaugebiete und finstere Gestalten, die auf geheimen Dschungelpfaden Opium schmuggeln und jeden Fremden entführen, umbringen oder ihm zumindest Drogen unterjubeln - so mag sich mancher das Goldene Dreieck vorstellen. In Wirklichkeit führt inzwischen ein zweispuriger Highway dorthin, Touriläden und Restaurants säumen die Straße und ein goldener Buddha wacht über das Geschehen. Zumindest auf der thailändischen Seite wird nur noch Kaffee, Obst und Gemüse angebaut und lediglich ein Opiummuseum erinnert an die bewegte Vergangenheit.

Auf einem letzten Nachtmarkt ließen wir uns Sushi, im Bambusrohr gegarten Mekongfisch und ein ultimativ letztes Changbier schmecken ...

..., bevor es nach kleineren Irrwegen tags darauf über die Freundschaftsbrücke hinüber nach Laos ging. Weniger freundschaftlich sind sie hier zu Radfahrern: Man darf die Brücke nur im Bus überqueren und das Fahrrad kostet vier Mal so viel wie eine Person. Aber egal, nun sind wir in Laos, schauen von der Terrasse unseres Hotels dem Mekong zu, wie er so ruhig dahinfließt, und planen voller Vorfreude unsere Route durch Laos.