31. Januar - Im Land der Pagoden

Ein Ochsenkarren, der uns auf der staubigen Sandpiste entgegen kommt, Bambushütten am Straßenrand, Männer in langen Wickelröcken (Longyis) und Frauen mit gelblicher Tanakapaste im Gesicht - nur ein kurzer Abstecher von der Hauptstraße vom Flughafen nach Mandalay und wir tauchten mitten ins burmesischen Dorfleben ein. Einige Meter weiter konnten wir dieses gleich noch intensiver auf uns wirken lassen: Sabine hatte einen Platten, den wir unter großer Anteilnahme der Dorfbewohner flickten.

Überwältigt von den ersten Eindrücken und von der Freundlichkeit der Menschen, die uns zuwinken, ein fröhliches "bye bye" zurufen oder freudestrahlend anlachen, freuten wir uns auf die kommenden vier Wochen hier in Myanmar (ehemals Burma), dem "Land der Pagoden" und der wohl herzigsten Menschen in Südostasien.

Myanmar stand schon lange weit oben auf der Liste unserer Wunschländer, aber erst in den letzten Jahren hat sich das Land so weit geöffnet, dass man zumindest die meisten Teile problemlos per Rad bereisen kann. Bei den Wahlen im November hat die Partei der Friedensnoblepreisträgerin Aung San Suu Kyi 80% der Stimmen erhalten und im Februar scheint das bisherige Militärregime nun tatsächlich einen Teil der Macht abgeben zu wollen. Es ist also eine spannende Zeit in Myanmar ...

Die staubigste Stadt Südostasiens ist vermutlich Mandalay. Erst im Dunkeln erreichten wir hier das Golden Dream Hotel, das seinem Namen durchaus gerecht wird. So konnten wir am nächsten Tag gut ausgeruht zum Sightseeing starten: Mönche auf den Straßen, prachtvolle Pagoden und Buddhastatuen - der Buddhismus hat in diesem ansonsten bettelarmen Land eine ganz besondere Stellung.

Eine der beeindruckendsten Pagoden ist die Kuthodaw Pagode, die das größte Buch der Welt beherbergt: Auf 729 Steintafeln ist die buddhistische Lehre in "Kringelschrift" niedergeschrieben und angeblich bräuchte man 450 Tage, um das Werk vollständig zu lesen. Jede dieser Steintafeln hat ihren eigenen kleinen Tempel und inmitten all dieser kleinen Tempel steht eine herrliche goldene Stupa.

Der mit kunstvollen Holzschnitzarbeiten verzierte Tempel aus Teakholz gleich nebenan ist der letzte Überrest des einstigen Königspalastes, der ein Raub der Flammen wurde.

Dort empfahl uns ein Engländer, der mich beim Fotographieren beobachtet hatte, einen anderen, sehr wenig besuchten und etwas versteckten Holztempel, den wir einige Tage später erst nach einiger Fragerei fanden. Belohnt wurden wir mit wunderschönen Buddhastatuen und ebenfalls tollen Holzschnitzereien, die wir fast alleine bewundern durften.

Eine Besonderheit in Myanmar ist die Tanakapaste, die sich fast alle Frauen, Kinder und in manchen Gegenden auch die Männer als Schminke und Sonnenschutz ins Gesicht schmieren. Oft wird diese sehr kunstvoll aufgetragen und auch Sabine erhielt eine Gratisverschönerung.

Für die Burmesen sind wir Langnasen wohl ähnlich exotisch, wie sie für uns und so kam es immer wieder vor, dass man sich mit uns fotographieren lassen wollte. Ein Phänomen dabei ist, dass die Burmesen für's Foto ihr sonst so herzliches Lächeln ablegen und dreinblicken wie sieben Tage Regenwetter...

..., aber mit der Zeit schafften wir es doch, sie etwas aus der Reserve zu locken ...

Schon vor Sonnenaufgang radelten wir die 10 Kilometer durch die noch dunklen Straßen von Mandalay nach Amarapura, um dort die mysthische Morgenstimmung am See mit der wohl berühmtesten Brücke von Myanmar, der U Bein-Brücke, zu erleben.

Nachdem wir das Treiben auf dem See und auf der Brücke einige Zeit beobachtet hatten, stärkten wir uns zunächst mit den vor Ort angebotenen Leckerlis ...

..., um dann selber noch ein wenig über die Brücke zu flanieren und von oben dem alltäglichen Leben zuzugucken.

Inzwischen hatten wir auch unsere Weiterreise geplant: von Mandalay wollten wir mit dem Zug nach Norden. Also fuhren wir zum Bahnhof und standen dann etwas ratlos vor dem Fahrplan. Wieder einmal half uns ein netter Burmese, der etwas Englisch konnte, mit viel Geduld beim Ticketkauf und zeigte uns dann noch, wo der Zug starten würde.

Bevor wir Mandalay verließen, mussten wir aber noch dem meistverehrten Buddha des Landes in der Mahamuni Pagode einen Besuch abstatten. Unablässig wird hier von Gläubigen (allerdings nur von Männern, Frauen dürfen die Statue nur aus einigem Abstand betrachten) Blattgold aufgetragen. Mehrere hundert Kilo soll der Buddha so schon zugelegt haben und im Laufe der Zeit ist er direkt etwas pummelig geworden.

Einen letzten herrlichen Sonnenuntergang verbrachten wir am Graben um den ehemaligen Königspalast, ...

... bevor wir am nächsten Morgen um vier Uhr mit dem Zug starteten. Kurzzeitig waren wir etwas enttäuscht, dass man uns automatisch in die "Luxusklasse" gebucht hatte und nicht in die normale Holzklasse. Dieses Gefühl legte sich allerdings recht schnell: Wir hätten nie gedacht, dass ein Zug so hoch hüpfen kann und wir waren wirklich erstaunt zu erleben, wie weit er zur Seite kippen kann, ohne zu entgleisen.

Nach über acht Stunden Geschaukel und etlichen Zwischenstopps erreichten wir den Höhepunkt der Strecke, den über 100 Jahre alten Gokteik-Viadukt. In bis zu 111 Metern Höhe überquert man hier im Schritttempo eine tiefe Schlucht. Spannende Sache!

Nach fast 12 Stunden Bahnfahrt und Bahnstand stiegen wir schließlich in Kyaukme, im gebirgigen Norden, aus. Leider hatte mein neues Radl im Gepäckwagen seine ersten bösen Schrammen abbekommen. Na ja, nun ist es halt ein echtes Travelbike.

Beim Anblick der schönen Landschaft aus dem Zugfenster hatten wir uns schon darauf gefreut, wieder zurück zu radeln. Leider hatten wir nicht bedacht, dass die Strecke eine der Hauptverbindungen nach China ist und so mussten wir uns die Straße mit unzähligen LKW teilen und waren heilfroh, als wir nach zwei Tagen Sagaing bei Mandalay erreichten.

In dieser Gegend am Irrawaddy zeugen zahlreiche Tempel, Stupas und Klöster davon, dass der Buddhismus besonders lebendig ist. Wir radelten ein Stück am Irrawady hinauf nach Mingun, wo die Überreste von dem stehen, was einst mit 152m Höhe die gewaltigste Pagode aller Zeiten hätte werden sollen. Immerhin bietet der von Erdbeben schwer gezeichnete Sockel mit seinen 5o Metern einen schönen Aussichtspunkt.

Gleich nebenan strahlt in gleißendem Weiß eine der schönsten Pagoden der Gegend, die Hsinbyume-Pagode.

In Mingun steht auch die größte funktionstüchtige Glocke der Welt. Den Glockengießer ließ der damalige König nach Vollendung seines Werkes umbringen, was karmamäßig wohl ein ziemliches Desaster gewesen sein dürfte. Heutzutage darf jeder die Glocke mit einem großen Holzschlegel zum Klingen bringen und wenn man darunter steht, hat man das volle Klangerlebnis.

Ein besonderes Erlebnis sind auch die farbenprächtigen Umzüge, die in Myanmar immer wieder lautstark an einem vorüberziehen und mit denen wohl häufig der Eintritt der Kinder in das Klosterleben gefeiert wird, die zu diesem Anlass als Prinzen verkleidet werden.

Doch zurück zu unserem Besichtigungsmarathon: Wieder in Sagaing bestaunten wir noch die 45 Buddhas in der Umin Thounzeh-Pagode, bevor wir von der "Sonnenuntergangspagode" den Tag mit einem schönen Blick auf den Irrawaddy ausklingen ließen.

Dann war mal wieder Radeln angesagt. 110 Kilometer strampelten wir nach Monywa. Bei einer Pause hatten wir wieder eines der vielen netten Erlebnisse, die man im Bus wohl verpassen würde: Ein Burmese brachte uns spontan Feuchttücher zur Erfrischung und zwei Dosen Energiedrink.

Mit einer ordentlichen Dosis Taurin im Blut schafften wir dann kurz vor Monywa sogar noch den Umweg zu den Riesenbuddhas. Mit 114 Metern ist der begehbare stehende Buddha schon eher ein Buddha-Hochhaus und immerhin die zweitgrößte freistehende Statue der Welt (nur die Chinesen haben eine noch höhere). Davor lümmelt sich auf einer gemauerten Couch ein weiterer Riesenbuddha und drumherum sitzen über 1000 lebensgroße Buddhafiguren, jede mit einem eigenen Schirmchen und einem Bodhibaum. Die reinste Buddhamanie!

Tags drauf radelten wir zu den Höhlen von Hpo Win Daung, die eigentlich in den Stein gehauene Nieschen sind. Über 900! Und in jeder dieser Nieschen sitzen ...? Richtig, Buddhastatuen! Sogar besonders schöne!

Bewacht werden die vielen Buddhas von einer ganzen Horde ziemlich gefräßiger Affen ...

Fast 150 Kilometer lagen am nächsten Tag vor uns. Trotzdem ließen wir uns einen Besuch der wohl kitschigsten Pagode Myanmars nicht entgehen. Über 500000 Buddhafiguren haben die Stifter hier im religiösen Übereifer innen und außen aufgestellt, meterhohe und winzig kleine, sehr filigrane und eher grob gestaltete. Dazu zieren 471 Stupas die äußeren Terrassen. Ein echter Farbflash! Und einen Löwen zum Knuddeln gibt es auch :-).

Erst kurz nach Sonnenuntergang ...

...erreichten wir eine der größten Tempelanlagen Südostasiens und das touristische Highlight Myanmars: Bagan. 2230 Monumente verteilt auf 40 Quadratkilometer savannenartiger Landschaft. Da gab es doch einiges anzuschauen! Und so radelten wir drei Tage auf den sandigen Wegen zwischen den Pagoden umher, ...

... bestaunten einige der besonders prachtvollen Exemplare aus der Nähe ...

... und genossen, wenn auch nicht immer ganz alleine, die herrlichen Sonnenuntergänge.

Ein besonderes Highlight ist es, das Aufsteigen der Ballone zum Sonnenaufgang zu beobachten. Schon um 6 Uhr hatten wir dazu eine Pagode erklommen und das Spektakel konnte beginnen ...

Mit einer "High-Risk-Operation" beendeten wir unseren Baganaufenthalt: Auf dem Markt hatten wir einen Stand mit Nudeln entdeckt und uns je eine Portion bestellt. Leider wurden die Nudeln nicht frisch zubereitet, sondern die lauwarmen fertigen Nudeln wurden mit einer Schere zurechtgeschnitten und anschließend per Hand mit der ebenfalls lauwarmen Soße vermischt. Authentischer geht's nicht mehr! Und wir haben es erstaunlich gut vertragen.

Da Myanmar doch sehr groß ist und 28 Tage Visum dafür sehr kurz sind, und auch weil die Landschaft im mittleren Teil zwar schön ...

..., aber auf die Dauer doch eher unspektakulär ist, entschieden wir uns, die 600 Kilometer bis Yangon mit einem komfortablen Nachtbus zu überwinden.

Viele Traveler, mit denen wir uns unterhalten hatten, waren ganz begeistert von Yangon. Wir eher nicht :-(. Vielleicht lag es daran, dass wir gerade einen kleinen Durchhänger hatten und uns der allgegenwärtige Dreck und Lärm einfach mehr gestört hat. Jedenfalls konnten wir den meist heruntergekommenen Kolonialgebäuden in der Altstadt nicht viel abgewinnen. Und auch eine halbwegs ruhige Unterkunft fanden wir erst im dritten Anlauf. Beim zweiten Guesthouse krähte ab 3 Uhr morgens lautstark ein Hahn im Zwanzigsekundentakt. In einer 5 Millionen Einwohnerstadt! Ein Hahn!

Auch asiatisches Essen konnten wir kurzzeitig nicht mehr sehen: "Alles, nur kein Reis" war die Devise. Zum Glück bietet Yangon da recht gute Alternativen ...

... und so waren wir stimmungsmäßig bald wieder obenauf.

Ein wirkliches Highlight hatte Yangon dann doch noch zu bieten: eines der größten Heiligümer des Landes, die prächtige Shwedagon-Pagode.

Der Hauptstupa ist fast 100 Meter hoch, mit über 9 Tonnen Gold verkleidet und mit wertvollen Edelsteinen geschmückt - ein weithin sichtbares Symbol des Strebens nach Vollkommenheit. Umgeben ist der Stupa von 64 kleineren und vier größeren Stupas und von zahlreichen Gebetshallen und Pavillions, in denen die Gläubigen meditieren oder auch schlafen und picknicken.

Besonders stimmungsvoll ist die Athmosphäre am Abend, wenn der Stupa angestrahlt wird und die Gläubigen tausende von Kerzen anzünden.

Für den Bus nach Bago schickte uns der freundliche Mann an der Rezeption unseres letzten Hotels zum Abfahrtspunkt der ziemlich kleinen lokalen Busse. Als wir dort mit unseren voll bepackten Rädern auftauchten, lächelte man zunächst nur etwas ratlos. Nachdem man dann kurzzeitig sogar versuchte, Sabines Rad samt Gepäck durch die enge Bustür zu schieben, war man doch erleichtert, dass sich das Gepäck abnehmen lässt und verstaute unsere Räder schließlich recht unkonventionell. Mein Rad schwebte zwar etwas bedrohlich über dem Fahrer, aber außer uns schien das niemanden zu beunruhigen ...

Jedenfalls kamen wir gut an und sogar noch rechtzeitig, um ein paar Buddhas anzuschauen. Besonders gut haben uns die vier sitzenden gefallen. Buddha muss wohl ein Fan kunstvoll lackierter Fingernägel gewesen sein ...

In kaum einem anderen Land waren wir bisher so froh über unser GPS-Gerät, wie in Myanmar. Schilder sind beim Finden des richtigen Weges meist nicht sehr hilfreich und auch mit Fragen kommt man oft nicht weiter, weil kaum jemand Englisch spricht und weil wir scheinbar die Ortsnamen so falsch aussprechen, dass keine der von uns dargebotenen Varianten auch nur in die Nähe der tatsächlichen Aussprache kommt. Außerdem hat uns die Routingfunktion unseres Mininavis schon oft nette und verkehrsarme Nebenstrecken vorgeschlagen, die meist auch irgendwann zum Ziel führten. Auf dem Weg zum Goldenen Felsen war es mal wieder so weit: Wir sollten einen Weg nehmen, der auf der Karte nicht verzeichnet, aber immerhin 15 Kilometer kürzer war. Sabine war naturgemäß skeptisch, aber 15 Kilometer waren ein gutes Argument. Zunächst war auch alles wunderbar, die verkehrsarme Nebenstraße war sogar geteert. Dann ging sie in eine zunehmend schlechter werdende staubige Schotterpiste über, die an interessanten Bambushausdörfern vorbeiführte ...

... und bald darauf fanden wir uns auf einem einsamen Singletrail mitten durch den Wald wieder.

Schließlich standen wir vor einer klapprigen und leider auch recht hohen Bambusbrücke. Einige Bambusstämme waren schon gebrochen und der Belag war ziemlich lückenhaft. Mit etwas weichen Knien schoben wir unsere Drahtesel gaaaanz vorsichtig darüber und waren heilfroh als wir auf der anderen Seite waren. Bald erreichten wir ein kleines Dorf und auch die "Straße" besserte sich zunehmend. Viele Touristen scheinen sich in diese Gegend wohl nicht zu verirren, statt der gewohnten offenen und freundlichen Art wurden wir hier eher misstrauisch beäugt. So waren wir direkt ein wenig froh, als wir wenige Kilometer weiter in Kinpun, dem "Basecamp" des Goldenen Felsens, wieder einen richtigen Touristenhotspot erreichten.

Üblicherweise lässt man sich von Kinpun aus die 1000 Höhenmeter auf der Ladefläche spezieller LKW hochtransportieren. In unserem Reiseführer lasen wir jedoch, dass man sich gutes Karma erwerben kann, indem man zu Fuß hochpilgert. Diese Bonuspunkte wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen ...

Für das leibliche Wohl war auf der Strecke ausreichend gesorgt. Allerdings verbot mir Sabine, eine der überall angebotenen Bambus-Schnellfeuerwaffen zu kaufen, um mich gegen die an jeder Ecke lauernden kleinen "Ninja-Burmesen" zu verteidigen. Sie meinte, damit würde ich meine gesammelten Karmapunkte gleich wieder verlieren ;-).

Oben angekommen wollten wir in unserem vorgebuchten Hotel einchecken, nur dass es in dem ausgebuchten Hotel keine Reservierung für uns gab. Dank einer falschen Telefonnummer im Reiseführer hatten wir in einem gleichnamigen Hotel unten in Kinpun reserviert. Dabei hatten wir uns schon über den vergleichsweise günstigen Zimmerpreis von 50$ gefreut. Und wir wollten doch unbedingt hier oben übernachten.

Angesichts unserer enttäuschten Gesichter hatte die freundliche Dame an der Rezeption Mitleid und trieb doch noch ein Zimmer auf, allerdings für 75$. "We can't pay more than 50", hörte ich Sabine sagen und schluckte. Hoch gepokert! Wir bekamen das Zimmer für 50$ :-)

Als wir dann nachmittags die letzten Meter zum Goldenen Felsen hinaufgestapft waren, waren wir zunächst direkt enttäuscht. Aus der Entfernung wirkte der Felsen kleiner und unspektakulärer als auf Bildern, die wir gesehen hatten, und auch die zahlreichen Pilger schienen mehr an den gratis verteilten Äpfeln und Keksen als am Heiligtum interessiert zu sein. Das sollte eines der bedeutendsten Pilgerziele Myanmars sein?

Mit dem Sonnenuntergang änderte sich die Stimmung allerdings schlagartig: Der Felsen leuchtete fantastisch und ringsherum zündten die Pilger Kerzen an und meditierten. Eine sehr berührende Atmosphäre!

Als wir am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang nochmals hinauf wollten, waren schon Massen an Pilgern unterwegs und am Goldenen Felsen herrschte direkt ein Gedränge beim Auftragen des Blattgoldes.

Das ist übrigends nur Männern erlaubt, Frauen dürfen dem Felsen nicht zu nahe kommen - vermutlich hat man Angst, dass ihn eine Frau vielleicht doch in die Tiefe schubst ;-) Trotzdem gelang es Sabine in einem unbeobachteten Moment, dem Felsen ganz nahe zu kommen ;-)

Es scheint übrigens wirklich wie ein Wunder, dass der Goldene Fels nicht in die Tiefe stürzt. Und während Physiker jetzt vermutlich mit Begriffen wie "Auflagefläche" und "Schwerpunkt" daherkommen würden, ist die buddhistische Begründung deutlich fantasievoller: Der Felsen wird von nur einem einzigen Haar Buddhas im Gleichgewicht gehalten!

Für den Weg hinunter wählten wir dann die "einfache" Variante auf der Ladefläche eines LKW, der recht rasant die steile Serpentinenstraße hinabrauschte. Ein wenig wie Achterbahn fahren und das zum Schnäppchenpreis von nur umgerechnet 2€ für eine halbe Stunde.

Wir radelten weiter in das chillige Hafenstädtchen Mawlamyaing, wo wir eher zufällig in ein Kloster mit wunderschönen Holzarbeiten stolperten.

Die Bootsfahrt nach Hpa-an soll sehr schön gewesen sein. Ich habe sie leider nur unter Deck oder kurzzeitig über der Reling hängend erlebt :-(

Die Gegend um Hpa-an war dann lanschaftlich die schönste Ecke Myanmars, in die wir gekommen sind. Herrliche Karstfelsen inmitten saftig grüner Reisfelder.

Ein besonders bizarr geformter Felsen ist der Kyauk Ka Lat, der an den James Bond Felsen in Thailand erinnert.

In Hpa-an trafen wir zufällig Juerg wieder, der uns auf Koh Payam wertvolle Tipps für Myanmar gegeben hatte. Die Travelerwelt ist eben doch klein! Gemeinsam unternahmen wir die Tuktuk-Höhlentour unseres Guesthouses, die uns überraschend gut gefiel. In den beiden ersten Höhlen sind vor allem die Buddhastatuen und die Buddhareliefs fantastisch anzuschauen.

In der riesigen Saddan-Höhle begeisterten uns dann vor allem die Tropfsteinformationen.

Tja, und dann war unser Myanmarvisum auch schon fast abgelaufen. In der schönen Morgenstimmung ...

... brachen wir zu den letzten 150 Kilometern in Myanmar auf. Dank der neuen Straße auf dem letzten Teilstück bis zur Grenze (vermutlich die besten Straße in ganz Myanmar) erreichten wir diese eine halbe Stunde vor Torschluss und erhielten nach einigen Formalitäten vom streng dreinblickenden Grenzbeamten unseren Ausreisestempel.

Und nun sind wir bereits eine Woche im unspektakulären, aber chilligen thailändischen Grenzort Mae Sot, bewegen uns im Wesentlichen zwischen unserem Lieblingscafe "hazel taste" und dem fantastischen Burger- und Pastarestaurant "Famous Rays" hin und her, löschen hunderte Buddha- und Pagodenbilder, schmieden neue Reisepläne, buchen Flüge und aktualisieren diesen, unseren Blog.

Nach einem letzten Latte, der gerade vor uns steht, soll es heute aber endlich weitergehen in den hohen Norden Thailands zu neuen Radabenteuern.

Wer von Buddhas und Pagoden immer noch nicht genug hat, findet wie immer ein paar unserer Lieblingsbilder in der Galerie.