21.März - Falang! Sabaidiiii...

"Falang!" (asiatisch für "Langnase"), tönte es meist schon von Weitem, wenn wir uns einem der zahllosen Bambus- oder Holzhüttendörfer hier im gebirgigen Norden von Laos näherten. Es folgte ein lautstarkes "Sabaidiiiii..." der Kinder, die sich teilweise fast überschlugen, um uns am Straßenrand zu begrüßen, uns zuzuwinken oder uns abzuklatschen. Toller Empfang!
Kinder gibt es unheimlich viele in diesem Land: das Durchschnittsalter von Laos liegt bei gerade mal 21 Jahren (Deutschland: 45) und das merkt man deutlich.

Der Norden von Thailand war ja schon nicht gerade hektisch, aber hier geht es nochmals deutlich beschaulicher zu: Die Menschen sitzen oft vor ihren Häusern und plaudern, Hühner, Hängebauchschweine und Hunde laufen auf der Straße herum und auch wenn wir uns in manchem Restaurant oder Geschäft erst an die laotische Gelassenheit gewöhnen mussten, gefiel es uns ausgesprochen gut.

Besonders toll ist es, den Menschen bei ihrem Handwerk zuzuschauen. In manchen Dörfern steht fast vor jedem Haus ein Webstuhl, an dem die Frauen kunstvolle Stoffe weben. Klar, dass sich auch in unseren Packtaschen inzwischen zwei handgewebte Röcke und ein Schal befinden ;-).

Auch in Laos leben viele verschiedene Volksgruppen, so dass wir unterwegs immer wieder unterschiedliche Kopfbedeckungen bewundern durften.

Im Gegensatz zu den überschwänglichen Begrüßungen der Kinder waren die erwachsenen Laoten meist eher zurückhaltend, aber sehr freundlich. Immer wieder wurden wir zum Essen dazugewunken, was wir allerdings in Erinnerung an den thailändischen Papayasalatfluch nur mit Vorsicht angenommen haben.

Durch den Norden von Laos zu radeln ist eine Herausforderung, denn obwohl wir nur 13 Tage strampelnd unterwegs waren, bewältigten wir in dieser Zeit über 15000 Höhenmeter.
Aber zu Beginn ließen wir es erst einmal gemütlich angehen und schipperten einen Tag lang den Mekong bis Pakbeng hinunter.

Dann juckte es uns aber doch in den Beinen. Statt einen weiteren Tag mit dem Boot nach Luang Prabang zu schippern, wählten wir bis dorthin die Vier-Tage-Radlvariante durch schöne Hügellandschaft.

Luang Prabang ist die Klosterstadt Südostasiens, UNESCO-Weltkulturerbe und einfach ein toller Platz, um es sich ein paar Tage gut gehen zu lassen. Kulinarisch sah es nämlich unterwegs ziemlich mau aus - in den kleinen Ortschaften gab es entweder gar nichts oder Noudlesoup. Und so freuten wir uns besonders über die französische Küche, schlemmten gebackenen Camenbert mit Cashewnutpanade und Zwiebelchutney oder Rinderfilet mit feiner Pfeffersoße, ließen uns Baguette mit Schinken und Rotwein zum Sonnenuntergang am Mekong schmecken oder probierten die laotische Tischgrillvariante Sindat.

Gut gestärkt besichtigten wir die fantastischen Klosteranlagen, allen voran das älteste Vat Xieng Thong ...

... bestaunten die kunstvollen Reliefs ...

... und natürlich gab es auch wieder viele Buddhas zum Fotographieren - hier nur eine kleine Auswahl ;-).

Der Almosengang der Mönche gehört zu den wichtigsten religiösen Zeremonien im Therevada-Buddhismus. In Myanmar hatten wir die Mönche oft beobachtet, wie sie früh morgens mit ihren Schalen durch die Straßen zogen und von den Gläubigen ihre Speisen erhielten. In Luang Prabang ist das leider zu einem Touristenspektakel verkommen. Wie für eine Tierfütterung werden Reisschalen und Kekse verkauft, die Touristen dann im Blitzlichtgewitter an die Mönche verteilen. Wir fanden das gruselig ...

... und stiegen stattdessen lieber zum Sonnenaufgang auf den Phou Si, den Hausberg Luang Prabangs, um dort oben die tolle Morgenstimmung zu genießen.

Elefantenreiten wird in Nordthailand und Laos immer wieder angeboten und für viele Elefanten, die einst in der Holzindustrie schuften mussten, kann das eine gute Alternative sein. Allerdings werden die Tiere in vielen Elefantencamps wohl nicht immer gut behandelt. Beim Elephant Village in der Nähe von Luang Prabang hingegen hatten wir ein gutes Gefühl: Die Elefanten werden ohne Schlagstöcke ausgebildet, sie dürfen nachmittags frei im Wald umherstreifen und es gibt ein eigenes Elefantenkrankenhaus. So haben auch wir die Gelegenheit wahrgenommen den Dickhäutern einmal ganz nahe zu kommen. Nach einem Ausritt ...

... und einem Besuch im Elefantenkindergarten (ganz schön gefräßig die Kleinen) ...

... ging es noch zum Elefantenbaden und Sabineduschen in den Fluss. Ein Riesenspaß!

Für die anstehenden Bergetappen hätten wir nur zu gerne unsere Drahtesel gegen einen Elefanten getauscht, aber 250 Kilogramm Futter am Tag waren uns dann doch zu viel. Also pedalten wir mitten hinein in die laotische Bergwelt.

Leider wurden um diese Jahreszeit bereits einige Felder und zum Teil auch die schönen Wälder abgefackelt, so dass manche Hänge einen ziemlich traurigen Anblick boten und wir auf den Pässen die fantastischen Ausblicke manchmal nur erahnen konnten.

Kurz vor Vang Vieng wurde die Landschaft immer spektakulärer und zum Glück auch die Sicht wieder etwas besser.

Vang Vieng ist der Backpackerort in Laos. Leider hat sich hier ein Partytourismus entwickelt, der so gar nicht zu Laos passen mag, mit Westlern, die mit freiem Oberkörper oder Bikini durch den Ort laufen und sich lieber Comedyserien in Endlosschleifen in den Bars reinziehen, statt sich ein wenig mit dem Land, das sie gerade bereisen, zu beschäftigen. Für uns hatte der Ort aber auch viele Vorteile, wie ein schönes Guesthouse mit toller Aussicht auf den Fluss und die Karstberge, ein großes Angebot an Dingen, die man unternehmen kann und nicht zuletzt Banana-Nutella-Pancakes und Fruitshakes an jeder Ecke. Auch für die Abwechslung zu der omnipräsenten Noudlesoup waren wir sehr dankbar. Allerdings muss man in einigen Restaurants wohl etwas aufpassen, dass man nicht aus Versehen die "happy"-Variante bestellt, da man sonst neben einer ungewollten Bewußtseinserweiterung möglicherweise noch eine Strafe wegen unerlaubten Drogenkonsums berappen muss.

Bekannt ist die Gegend um Vang Vieng für ihre vielen Höhlen und so machten auch wir uns mal wieder auf zu einer Höhlentour. Nachdem wir die lustige Anleitung studiert und uns mit einer billigen chinesischen Leihstirnlampe ausgestattet hatten ...

..., reihten wir uns in den Strom der Höhlenbesucher ein. Während es die meisten allerdings bei der ersten Halle beließen, schlugen wir uns bis ins hinterste Eck der erstaunlich großen Höhle durch, wo das mit der Orientierung tatsächlich nicht mehr ganz so einfach war. Mit etwas Kraxelei haben wir dann aber einen interessanten und wenig begangenen Weg zurück nach draußen gefunden ;-)

Deutlich entspannter war da schon das Tubing: Man lässt sich mit einem Tuktuk vier Kilometer flussaufwärts bringen und treibt dann gemütlich auf einem LKW-Schlauch lümmelnd den Nam Xong wieder hinunter.

Tja und dann wollten wir noch ganz hoch hinaus. Zum Sonnenuntergang schwebten wir mit einem Kribbeln im Bauch und einem fetten Grinsen im Gesicht über die herrliche Landschaft. Ein tolles Erlebnis!

Mit dem Bus mogelten wir uns zurück über die Berge und nach Phonsavan. Als hätten Riesen sie nach einem Saufgelage liegen gelassen, sind hier überdimensionale Steinkrüge in der Gegend verstreut. Die Wissenschaft hat wieder einmal eine weniger spannende Erklärung parat: Urnen sollen es gewesen sein vor mehr als 2000 Jahren. Die deutsche Bezeichnung "Ebene der Tonkrüge" ist wohl auf einen Übersetzungsfehler zurückzuführen, denn aus Ton ist hier gar nichts.

Die Ebene der Tonkrüge ist eine der Regionen, die von den USA während des Vietnamkrieges besonders heftig bombardiert wurden, da Teile des Ho Chi Minh-Pfades, über den die nordvietnamesischen Truppen versorgt wurden, durch das an sich neutrale Laos verliefen. Außerdem wollte man die Ausbreitung des Kommunismus in Laos verhindern. Bei rund 5800000 Luftangriffen wurden 2,1 Millionen Tonnen Bomben abgeworfen, darunter über 400000 Streubomben, jede mit 650 tennisballgroßen "Bombies" bestückt. Damit gehört Laos zu den am stärksten bombardierten Ländern der Welt. Knapp ein Drittel der Sprengkörper ist nicht explodiert und diese etwa 80 Millionen Blindgänger verseuchen bis heute große Teile von Laos und fordern jährlich mehrere hundert Opfer. An den Räumungsarbeiten, die wohl noch hunderte von Jahren dauern werden, beteiligten sich die USA bis zum Jahr 2015 nur mit einem beschämend geringen Anteil von etwa 85 Millionen Dollar (im Vergleich zu inflationsbereinigten 18 Mio. Dollar, die täglich von 1964-1973 für die Bombardierung ausgegeben wurden) und auch sämtliche internationale Abkommen zur Ächtung von Streubomben wurden von den USA bislang nicht unterzeichnet.

In einem Bus, der bei uns vermutlich seit Jahrzehnten keine Zulassung mehr bekommen hätte, ergatterten wir gerade noch die mittleren Klappsitze, um uns wieder nach Norden in die Berge bringen zu lassen. Modernstes Teil des Busses war ein MP3-Player, aus dem nonstop und in ohrenbetäubender Lautstärke laotische Schlagerschnulzen und ziemlich schräger Lao-Pop ertönten und dessen Bedienung der Busfahrer bisweilen mehr Aufmerksamkeit schenkte, als der Straße. Lustig waren dafür die kollektiven "toilet-stops", bei denen alle aus dem Bus stürmten, um sich am Straßenrand in die Büsche zu hocken/stellen.

Nach fünf Stunden und einem Beinahecrash waren wir heilfroh, als uns der Bus in einem kleinen Straßendorf ausspuckte. Drei Tage strampelten wir wieder von dort aus über einige Bergpässe, durch einen Nationalpark, in dem es noch die letzten Tiger geben soll ...

..., an zutraulichen Kühen vorbei (man beachte die Bambusglocke), die mir quer über das Objektiv schleckten, ...

... durch viele Holzhüttendörfer ...

... und an Schulen vorbei, bei denen wir uns nicht sicher waren, ob gerade Pause oder Unterricht war.

Wir erreichten den herrlich am Fluss Ou gelegenen Ort Nong Khiaw, wo wir auf einem Schild folgendes lasen: "Don't miss the viewpoint!" Kein Problem, war ja unser Ausruhtag, da kann man schon mal einen Berg hochkraxeln.

Tags drauf ging es per Boot die teilweise beachtlichen Stromschnellen des Nam Ou hinauf bis nach Muang Khua ...

... und von dort aus waren es nur noch 60 Kilometer, zwei Pässe und eine letzte Noudlesoup (zumindest dachten wir das) bis zur vietnamesischen Grenze.

Noch mehr Bilder gibt es wieder in der Galerie.