26.August 2015 - Kroatisches Inselhopping

Bis zum Inselhopping war es allerdings noch ein langer Weg durch den Norden Kroatiens. Dieser führte uns zunächst in das größte Sumpfgebiet Europas, den Naturpark Lonjsko Polje, und dort in das erste europäische Storchendorf Cigoc. Allerdings hatten die Störche drei Tage zuvor beschlossen, nach Afrika aufzubrechen. So war der riesige Plastikstorch am Ortseingang der einzige Storch, den wir zu sehen bekamen :-(. Doch auch die schöne Fluss- und Sumpflandschaft und die vielen kleinen Ortschaften mit ihren speziellen Holzhäuschen waren sehr sehenswert.

Am glasklaren Badefluss Una entlang und an den ersten Moscheen vorbei radelten wir ein kurzes Stück durch Bosnien Herzegowina (für alle, die immer noch die Preise in D-Mark umrechnen: hier gibt es die Convertible Mark, die zum Euro den gleichen Kurs hat, wie die damalige D-Mark)...

... überquerten die Grenze zurück nach Kroatien und erreichten die Plitvicer Seen, wo einst Winnetou und Old Shatterhand den Schatz im Silbersee suchten. Ich war dort das erste Mal mit 18 und schon damals war die fantastische Seenlandschaft mit den vielen Wasserfällen kein Geheimtipp mehr. Aber Busladungen voll von Japanern, Italienern und Deutschen, die über die engen Holzstege geschleust werden, fehlen in meinen nostalgischen Erinnerungen. Obendrein machte das sonnige Traumwetter, an das wir uns schon richtig gewöhnt hatten, eine kleine Pause: Regen und Gewitter waren nun angesagt. Erstaunlich, wie schnell man im Zelt nachts hellwach ist, wenn zwischen Blitz und dem ins Mark fahrenden Donner nur noch Sekundenbruchteile liegen ...

Nach den etwas gemischten Eindrücken an den Plitvicer Seen führte uns unser GPS-Gerät auf kleinen Landstraßen und Feldwegen (manchmal so klein, dass wir schon zu zweifeln begannen) durch den Norden Kroatiens und über das Velebit-Gebirge an die Küste.

Dann ging es endlich los mit dem Inselhopping. Wir setzten nach Pag über und mussten feststellen, dass hier sogar die slowenischen Camingplatzpreise noch getoppt wurden: 43€ für 3 Quadratmeter, Toilette und Dusche auf einem riesigen und hässlichen Camping. Dafür gab es die ganze Nacht den dumpfen Beat vom nahe gelegenen Partystrand gratis dazu. Selbst am nächsten Vormittag waren die Tanzflächen in den Clubs dort noch gut gefüllt und das schon etwas erschöpft dreinblickende Partyvolk wankte über den Strand. Wir kamen uns ein wenig vor, wie Aliens in einer fremden Welt.

Zum Glück hatte Pag mit seinen vielen Steinmäuerchen und einem schönen Weg entlang der Küste und mit Blick auf das Festland auch für uns noch einiges zu bieten ...

... und auch der gleichnamige Hauptort hat durchaus Charme.

Zurück auf dem Festland wurde unser Radltempo stark heruntergebremst: Zu viele schöne Städtchen gab es zu besichtigen. Wir genossen das nächtliche Treiben in Zadar ...

... schlenderten durch die engen Gassen und über die Plätze von Sibenik und bewunderten die detailgenauen Gesichter an der Kathedrale, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Aber auch die herrlichen Buchten an der Küste lockten mit kristallklarem Wasser immer wieder zu einem Bad. Und so dauerte es ein wenig, bis wir die verwinkelte Altstadt von Trogir erreichten.

Per Boot ging es weiter nach Split, dessen historische Altstadt, der Diokletianpalast, ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Von Split hoppten wir mit der Autofähre nach Brac, radelten an der Nordküste durch chillige Küstenörtchen und an Traumbuchten entlang, ...

... bevor wir die Insel überquerten und vom touristischen Bol aus bei hohem Wellengang weiter nach Hvar schipperten. Dort endete unser Inselhopping zunächst jäh, weil zur nächsten Insel nur eine Katamaran-Passagierfähre fuhr, die (obwohl riesig) keine Fahrräder transportiert. Daran änderte auch Sabines betteln nichts :-(. Um weiterhin die stark befahrene Festlandküstenstraße zu vermeiden, mussten wir stattdessen mit der Autofähre zwei Stunden wieder nach Splitt, um dann mit einer anderen Autofähre fast den gleichen Weg zurück und weiter zur Insel Korcula zu fahren. Eine fantastische Küstenstraße, viele schöne Weinberge und Olivenhaine und nicht zuletzt die tolle Altstadt von Korcula-Stadt (hier wurde Marco Polo geboren) ließen uns den Ärger aber schnell vergessen.

Während Sabine dort die Lädele begutachtete, konnte ich nach den Inselschönheiten Ausschau halten ;-)

Wie immer etwas spät fanden wir trotzdem noch einen tollen Campingplatz direkt an einer kleinen Hafenbucht, wo es uns so gut gefiel, dass wir einen Pausentag einlegten. Und während am ersten Abend noch Kochen mit Stirnlampe angesagt war, gab es Tags darauf feinen gegrillten Fisch.

So gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Dubrovnik: 112km, 1200 Höhenmeter und das alles bei über 30° im Schatten. Puh! Wir hangelten uns von Supermarkt zu Supermarkt und schütteten literweise Wasser (wahlweise mit Zitrone, Magnesiumpulver oder auch pur), Cola, Eistee, Milch und Radler in uns hinein, um es dann gleich wieder heraus zu schwitzen. Ziemlich fertig erreichten wir in der besten Nachmittagshitze endlich den Hafen von Dobrovnik und einen Hügel später rollten wir auch schon auf die Altstadt zu, fanden ein günstiges Zimmer, duschten und schon war die Welt wieder in Ordnung.

Im herrlichen Nachmittagslicht schlenderten wir dann noch durch die "Perle der Adria" und belohnten uns dann mit superleckerem gegrillten Tintenfisch in einem feinen Restaurant auf einem der tollen Plätze.

Früh am nächsten Morgen ging es dann noch einmal auf Stadtbesichtigung und auch eine Umrundung auf der Stadtmauer durfte nicht fehlen, bevor wir um 10 Uhr unser Zimmer räumen mussten.

Übrigens wird in Dubrovnik Basketball "ums Eck" gespielt. Platznot macht eben erfinderisch ...

Jetzt freuen wir uns auf weitere Abenteuer in Montenegro und Albanien, bevor es durch Mazedonien und schließlich die westliche Türkei schnurstracks nach Istanbul geht.

Weitere Fotos gibt es in der Galerie.