Island - 31.7. bis 8.9.2014

Bei der Urlaubsplanung für 2014 waren wir lange unschlüssig. Unser nächstes Sabbatjahr war schon näher gerückt, und da wollten wir Richtung Asien. Also vorher noch ganz etwas anderes?
Irgendwann kramte Sabine ein Land hervor, das vor fast 20 Jahren einmal oben auf unserer Liste stand: Island. Zu teuer, zu kalt und zu extrem zum Radeln waren damals die Gründe, die uns abgehalten hatten. Nun, seit der Finanzkrise 2009 war Island wohl etwas erschwinglicher geworden und inzwischen hatten wir deutlich mehr Erfahrung mit dem Radeln in unwirtlichen Gegenden. Und die Kälte? Na ja, da mussten wir uns halt warm anziehen ... Also: Island!

Unser australischer Freund Stephen konnte sich sofort für die Idee begeistern, um den halben Erdball zu fliegen und uns auf unserem Trip zu begleiten. Nach etwas Überzeugungsarbeit hatte er auch seine Freundin Catherine so weit. Und so starteten wir wieder zu viert ins neue Radabenteuer.


Zum Sonnenuntergang gegen Mitternacht landeten wir auf Island und für die erste Nacht hatte Sabine uns eine kleine Hütte auf einem Campingplatz ganz in der Nähe gebucht.

Der super hilfsbereite Besitzter holte uns ab - das erste Mal auf all unseren Reisen, dass jemand mit Namensschild am Flughafenausgang auf uns wartete.

Tags darauf kamen auch Stephen und Catherine in Island an, nur Stephens Fahrrad war leider irgendwo auf dem weiten Weg von Australien verloren gegangen. Also warteten wir noch zwei Tage auf dem Campingplatz, lernten das wechselhafte isländische Wetter und den leckeren marinierten Fisch kennen und hatten ausgiebig Zeit, das Kunstwerk des kleinen Ortes zu bewundern, das die  Vergänglichkeit des Menschen gegenüber dem Meer darstellte...

Als nach zwei Tagen und mehreren Flughafenbesuchen Stephens Fahrrad immer noch nicht aufgetaucht war, beschlossen wir, trotzdem zu starten: Stephen trampte, wir radelten bei garstigem Gegenwind.

Glücklicherweise kam Stephens Rad dann doch endlich an und wurde am Abend nachgeliefert, so dass wir am darauffolgenden Tag zu viert gegen den Wind an der Küste kämpfen konnten. Bei Selfoss beschlossen wir spontan, erst einmal einen Abstecher ins Landesinnere zu machen.

Nachdem wir den ersten größeren Wasserfall passiert hatten ...


... ging es hinauf ins Hochland, in eine sehr karge vulkanische Landschaft.

Eine Herde Islandpferde wurde gerade aus dem Hochland hinuntergetrieben.

Unser abentlicher Zeltplatz war zwar ziemlich windig, aber dafür war die Aussicht auf den Sonnenuntergang fantastisch.


Unser Ziel im Hochland war Landmannalaugar, das mit seinen farbigen Hügeln, seinem Lavagestein und seinen heißen Quellen zu einem der beliebtesten Wandergebiete gehört. Als wir dort eintrafen, lud das Wetter allerdings so gar nicht zum Wandern ein, aber in den heißen Quellen direkt beim Campingplatz konnten wir uns zumindest aufwärmen. Und Sabine konnte ihren neu erworbenen Mini-Regenschirm einweihen ...


Aber wir sollten Glück haben: Als wir gegen 4 Uhr am nächsten Morgen aufwachten, war der Himmel sternenklar und so stiegen wir zum Sonnenaufgang nochmals hinauf.


Und jetzt konnten wir die ganze Farbenpracht im schönsten Morgenlicht genießen und das sogar ganz alleine, weil so früh wohl dann doch keiner aufgestanden war.



Beim Weg zurück an die Südküste bekamen wir einige Male nasse Füße: Rivercrossing war alle paar Kilometer angesagt. Die fantastische Landschaft leuchtete oft in den unwirklichsten Grüntönen und in den glasklaren Seen spiegelten sich die Berge.


Als wir gegen Abend die schöne Schlucht Eldja erreichten, zeigte sich das Wetter leider gerade von seiner ganz feuchtkalten Seite, so dass wir nur eine kurze Wanderung zum schönen Wasserfall unternahmen und dann zum Zeltplatz durchstarteten. Dort konnten wir uns zum Glück in einer gemütlichen Hütte aufwärmen.
 Als wir am nächsten Tag die Ringstraße erreichten, hatten wir dann erstmals T-Shirt-Wetter :-) ...

... und so hatten wir beste Sicht, als wir auf die Gletscherzungen des Vatnajökull, den größten Gletscher Europas, zuradelten.

Einige Tage radelten wir am Vatnajökull entlang und konnten immer neue Getscherzungen und Lagunen bewundern, in denen riesige Eisberge schwammen. Eine der schönsten Lagunen ist der Jökulsarlon, an dem wir unsere Zelte aufschlugen. So konnten wir die grandiose Landschaft und die bizarren Eisberge im schönsten Licht und ohne die Touristenmassen, die hier tagsüber unterwegs sind, genießen.




An den herrlichen Eisskulpturen konnten wir uns kaum sattsehen, aber nach einer kleinen gemeinsamen Fotosession ...

... ging es weiter an den Strand, an dem bei Ebbe einige Eisberge stranden und eine, in herrlichen Blautönen schimmernde Eiswelt erschaffen.




Nur schwer konnten wir uns von diesem Anblick losreißen. Aber die nächste Gletscherzunge wartete ja schon auf uns.

Bei einer Wanderung zum Flaajökull kamen wir dem Glescher noch einmal ganz nah ...

... und vom Hafenstädtchen Höfn hatten wir einen letzten tollen Blick auf die fantastische Landschaft.
Mit dem Bus ging es weiter um die Ostfjorde, hinauf in den Norden nach Egilstadir. Dort deckten wir uns mit Lebensmitteln für sechs Tage ein, denn wir wollten wieder ins Hochland, zum Krater des Vulkans Askja. Angesichts des kalten und regnerischen Wetters und der doch etwas tristen Steinwüstenlanschaft ...

... erklärte Sabine am dritten Tag, dass sie eigentlich gar nicht soooo unbedingt zum Askja wollte und auch beim Rest von Stefans Team schwand die Motivation spürbar, noch über 60km in eine Sackgasse zu fahren, nur um einen Vulkankrater mit See zu sehen. Daran änderten auch die herrlichen Regenbögen wenig ...

... , bedeuteten sie doch meist, dass man in Kürze wieder ziemlich nass wurde. Glücklicherweise besserte sich das Wetter am Abend, bevor wir zur entscheidenden Kreuzung kamen ...

... und so beschlossen wir, es doch zu versuchen. Und wir hatten Glück! Bei der ersten größeren Flussdurchquerung gabelte uns Lukas auf, ein sehr netter Deutscher, der mit seinem Pickup eigentlich auf verspäteter Hochzeitsreise war - nur hatte sich seine Frau leider das Bein gebrochen und war schon heimgeflogen. Er half uns, die Räder und das Gepäck über den Fluss zu bringen, und da das alles nun schon mal auf dem Pickup war, überlegten wir, ob wir nicht bequemer nach Askja kommen konnten. Nur leider hatten wir unmöglich alle im Pickup Platz. Glück die zweite: Just in diesem Moment kam ein italienisches Paar am Fluss an und bot an, drei von uns mitzunehmen. Superhappy! Wie viel Glück wir aber wirklich hatten, sollten wir erst am nächsten Tag erfahren.
So konnten wir nachmittags noch die 8km vom Campingplatz hinauf zum Vulkankrater radeln - ohne Gepäck eine Leichtigkeit. Und auch das Wetter wurde immer besser. Tags zuvor hatte es hier oben geschneit und jetzt bildeten die Schneeflecken einen irren Kontrast zum schwarz-roten Lavasand.

Wir wanderten zum großen Kratersee ...

... und zum davor gelegenen warmen See Viti, in dem man normalerweise schwimmen kann. Nur leider hatte es zwei Monate zuvor auf der anderen Seite des Kratersees einen Bergrutsch gegeben, der einen Tsunami ausgelöst und die Küste samt Viti überschwemmt hatte. Da man befürchtete, dass sich das wiederholen könnte, war das Baden verboten.

Im warmen Abendlicht radelten wir schließlich zurück zum Camping.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Rückweg und hatten dabei zunächst Herdubreid, die Königin der isländischen Berge im Blick.

Auf dem Camping hatte man uns bereits gesagt, dass es in den vergangenen Tagen verstärkt Erdbeben unter dem Eisfeld des Vatnajökull im Süden der Insel gegeben hatte. Man befürchtete einen Vulkanausbruch unter dem Eis und daran anschließend einen Gletscherfluss quer über die Insel. Und zwar genau da, wo wir gerade durchradelten.

Und an dem Tag als wir hier durchradelten, verstärkten sich die seismischen Aktivitäten. Ein Ranger informierte uns und legte uns nahe, noch bis zum Camping nahe der Ringstraße zu fahren. Insgesamt 90km auf teilweise sehr sandiger Piste mit einigen größeren Fluss-querungen - bei einer halfen wir sogar noch einem steckengebliebenen Jeep. Erst im Dunkeln (und in Island wird es im August verdammt spät dunkel) erreichten wir ziemlich fertig den Camping und erfuhren dort, dass noch am Abend das gesamte Askja-Gebiet evakuiert wurde. Puh! Das Bierchen zum Abendessen war trotz seines stolzen Preises von 8€ wohlverdient.
Am nächsten Morgen merkten wir, dass wir in einem isländischen Vorzeigedörfchen gelandet waren.

Auf der Ringstraße rauschten wir nun flott zum Myvatn, dem "Mückensee".

Auch dieser liegt in einer aktiven Vulkanzone und so gibt es in der Umgebung allerhand heiße Quellen und rauchende Schwefellöcher zu bewundern.


Ohne Gepäck erkundeten wir die Umgebung und sogar einen kleinen Trail endeckten wir.

Wir umrundeten den Kratersee des noch sehr aktiven Vulkans Krafla ...

... und spazierten über die rauchenden Lavafelder der Myvatnfeuer, die im 18. Jahrhundert große Landstriche verwüstet hatten und auch heute noch einen Hauch von Endzeitstimmung verbreiten.



Und auch der schönste Explosionskrater Islands wollte noch bestiegen und umrundet werden.

Unser nächstes Ziel war der größte Wasserfall Europas, der beeindruckende Dettifoss. Zunächst bewunderten wir aber den nur wenige hundert Meter weiter oben gelegenen Selfoss und genossen dort in Ruhe unsere Brotzeit.

Gut gestärkt machten wir uns auf den kurzen Fußmarsch zum "großen Bruder", der sich schon von Weitem durch lautes Getöse und herrliche Regenbögen bemerkbar machte. Ein grandioses Spektakel, bei dem man in kürzester Zeit patschnass war.


Irgendwie hätte es uns schon merkwürdig vorkommen können, dass bei strahlendem Sonnenschein an dieser Touristenattraktion außer uns niemand mehr war. Aber wir waren viel zu beschäftigt, dieses Naturschauspiel auf uns wirken zu lassen (und die Kamera halbwegs trocken zu bekommen).

Als wir gerade gehen wollten, kamen ein paar Herren in roten Overalls. Sie informierten uns, dass es inzwischen eine kleine Eruption unter dem Gletscher des Vatnajökull gegeben hatte und man daher nun auch diese Gegend vorsichtshalber evakuiere. Wir sollten zurück nach Myvatn :-(
Immerhin hatte man ein Einsehen, dass wir das an diesem Tag nicht mehr schaffen konnten und lud uns in einen großen Pickup. Nur die letzten Kilometer mussten wir dann noch radeln.
Wir änderten also unsere Pläne, nahmen bei strömendem Regen am nächsten Tag den Bus nach Akureyri und radelten den schönen Fjord zum Hafen von Dalvik und weiter um die Halbinsel.


Besonders schön war der kleine Fischerort Sigulfjördur, wo wir den Zeltplatz mitten auf dem Hauptplatz fast nicht gefunden hätten.

Bei fantastischen Wolkenstimmungen radelten wir auf der anderen Seite der Halbinsel zum wohl schönsten Schwimmbad Islands.


Eine letzte anstrengende Etappe stand uns nun noch bevor: auf der Kjölur-Route durchquerten wir Islands Hochland.

Zum Glück gab es auf der Mitte des Weges einen Camping mit "Spa-Bereich", in dem man die müden Beine wieder entspannen konnte.
 
Und das nächtliche Showprogramm war auch nicht ohne ...

Auf der zweiten Hälfte der Kjölur-Route war das Wetter nochmal echt isländisch: Sonne und Regen wechselten im Zehnminutentakt und der Wind schuf immer neue Wolkenschlösser.

Zu unserem großen Glück machten wir noch einen Abstecher zum Kerlingafjöll. Bei der Hütte des dortigen Campingplatzes erfuhren wir nämlich, dass für die Nacht orkanartige Stürme angesagt waren. Obwohl wir im Windschutz der großen Hütte zelteten, wurden wir ordentlich
durchge-schüttelt. Als uns gegen 23 Uhr einer der Hüttenbetreiber anbot, in die Hütte zu wechseln, nahmen wir dieses Angebot nur zu gerne an. Wir bauten die Zelte ab (was gar nicht so leicht war, wenn alles gleich davonflog) und fanden sogar noch Schlafplätze im Schlafsaal. Eine sehr gute Entscheidung, denn der Sturm verstärkte sich noch deutlich und selbst die Hütte schwankte unheimlich. Am nächsten Morgen waren Zelte, die nicht abgebaut worden waren, völlig kaputt und in einigen Autos waren die Scheiben durch herumfliegende Steine eingeschlagen.
Der Wind blieb auch am folgenden Tag extrem stark, so dass wir den ganzen Tag in der Hütte blieben. Sabine handelte für uns einen Sonderpreis heraus, für den wir in einer als Rumpelkammer genutzten Nebenhütte noch zwei Nächte bleiben durften (selbst die Preise für den Schlafsaal waren nämlich ziemlich gesalzen). So konnten wir wenigstens noch den schönen Gletscher und die farbigen Hügel besuchen, auch wenn das Wetter leider regnerisch blieb.





Noch einige Kilometer mussten wir auf der
Kjölur-Route im Slalom um die Schlaglöcher kurven, bevor wir wieder Asphalt unter den Reifen hatten. Kurz darauf erreichten wir einen der schönsten Wasserfälle Islands, den "goldenen Wasserfall" Gullfoss, der sich im Abendlicht von seiner schönsten Seite präsentierte.




Nach den Strapazen der Hochland-straße gönnten wir uns am Abend einen Besuch in der Pizzaria. Der Wirt wollte erst gar nicht glauben, dass jeder von uns seine eigene Pizza wollte, da diese doch sooo groß sei. Er hatte wohl noch nie ausgehungerte Radler als Gäste ...
Am nächsten Tag besichtigten wir noch den nahegelegenen Geysir Strokkur, der zuverlässig alle fünf bis zehn Minuten spuckte, begleitet von einem Konzert der Kameraverschlüsse,
bei dem natürlich auch wir mitmachten.




Auf dem Weg nach Reykjavik machten wir noch einen Stopp im historisch bedeutsamen Pingvellier, wo seit dem 10. Jahrhundert ein zentraler Versammlungsplatz der Isländer lag.


Am Morgen war hier das Wasser in unseren Trinkflaschen gefroren und das war wohl auch ein Zeichen dafür, dass es langsam Zeit wurde, Island zu verlassen. Aber natürlich nicht, ohne der nördlichsten Hauptstadt der Welt noch einen Besuch abzustatten. Mit ihren kleinen Holzhäusern und etwa 120 000 Einwohnern gleicht Reykjavik allerdings eher einer netten Kleinstadt.

Zu den Sehenswürdigkeiten gehören die Hallgeimskirka mit ihrer Lavasäulenoptik (was sonst in Island) ...
..., das erst 2011 fertiggestellte Opernhaus Harpa, das als neues Wahrzeichen Reykjaviks gilt, ...

... und natürlich das "Wikingerboot" am Hafen.

Am Heimreisetag zeigte sich das isländische Wetter dann noch einmal von seiner garstigsten Seite: Klatschnass kamen wir am Flughafen an. Aber das war uns schon egal, hatten wir doch die letzten fünf Wochen so viel Glück gehabt und die spektakulärsten Landschaften meist bei Sonnenschein erleben dürfen.