Jordanien - 22.3. bis 6.4.2013 (Ostern)

Normaler Weise machen wir fremde Länder immer nur im Sommer mit dem Fahrrad unsicher, aber in diesem Jahr war das Wetter bei uns so gruselig, dass es uns bereits Ostern in die Ferne zog. Jordanien war dafür ideal, denn dieses eher "kleine" Land kann man im Zeitraum von zwei Wochen sehr gut mit dem Drahtesel erkunden und Ostern sind die Temperaturen dort äußerst angenehm. Der Hotelbesitzer in Madaba nannte uns ehrfürchtig "Superman" und "Superwoman", als wir von unserem Plan erzählten, Jordanien auf dem King's Highway bis Petra zu durchqueren. Pah, Kleinigkeit...

Mehr als 50 km am Tag schafften wir anfangs allerdings kaum, nicht etwa wegen der anstrengenden Auf und Abs der Wadis, sondern vielmehr wegen der ständigen Einladungen zum Teetrinken...


Bei "Sami" durften wir dann sogar übernachten und konnten den "Grand Canyon" Jordaniens, das Wadi Mujib mit Stausee, sogar im Abendlicht bestaunen.












Nachdem wir uns in der Früh mit einem für uns eher untypischen Frühstück (Felafel und Humus) gestärkt hatten, radelten wir weiter nach El Kerak. Dort gab es ein mittelalterliches Kastell zu bewundern.


Weiter ging es ins Dana Wildlife Resort, wo wir unsere Räder erst einmal gegen Wanderschuhe ein- tauschten. Nachdem wir tags zuvor 2000 Höhenmeter gegen üblen Wind gestrampelt waren, hielt sich unser Wandereifer aber in Grenzen und wir genossen einfach die herrliche Landschaft, Fauna und Flora.

In klaren Vollmondnächten sei das Resort besonders zauberhaft, so hieß es in unserem Reiseführer. Tatsächlich waren wir genau in dieser Nacht zur richtigen Zeit am richtigen Ort!


Das eigentliche Highlight Jordaniens ist Petra, die alte Nabatäerstadt. Seit 1985 auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste stehend, wurde Petra 2007 zu einem der neuen 7 Weltwunder der Neuzeit gewählt.

Dieses berühmteste historische Denkmal Jordaniens liegt geheimnisvoll verborgen, inmitten einer bizarren Felslandschaft. Nachdem man die 60$ teure Eintrittskarte am Visitorcenter erstanden hat, muss man noch eine ganze Weile durch einen Canyon laufen, bis man mit der "Khazne Faraun" gleich die größte Attraktion Petras zu Gesicht bekommt.
Abends genossen wir Petra by night, und wären da nicht die vielen anderen Touris gewesen, die mit ihrem Blitzgewitter und Gequatsche die bezaubernde Stimmung gestört hätten, hätten wir uns wie in Tausend und einer Nacht gefühlt. Nach zwei Musikstücken vor dem Palast und einem Kerzenmeer war die Veranstaltung schon wieder vorbei. Wir versuchten die letzten zu sein, die den Siq zurückgingen und konnten so stimmungsvolle Photos machen, auch wenn wir zum Schluss regelrecht vor den Aufräumern flüchten mussten.


In den nächsten drei Tagen erkundeten wir die, von den nabatäischen Steinmetzen in unglaublicher Fleißarbeit geschaffenen wunderschönen Fassaden der rund 1000 Gräber, in "harter Besichtigungs-arbeit" zu Fuß. Neben den faszinierenden Außenfassaden, bewunderten wir aber auch die "Felsmalereien" der Natur. Die Wände gleichen bunten, fast expressionistischen Bildern. Diese sogenannten Liesegang-Bänder entstehen durch Ablagerungen von Mineralien aus Grundwasser, das sich den Schichtungen anpasste.
Das ursprünglich von den Nabatäern gebaute, offenbar jedoch von den Römern umgestaltete Theater zog uns ebenso in seinen Bann wie die Aussicht vom Felsplateau Ed Deir.


"Tendenziell bergab" ist eine von Stefans Lieblingsumschreibungen, um Sabine in der Früh zum Weiterradeln zu motivieren. Da es heute weiter nach Wadi Rum gehen sollte, eine der großartigsten Wüstenlandschaften Jordaniens, stimmte dies schon irgendwie...


Ursprünglich wurden ziemlich feste Regeln eingeführt, um die Besucherzahl und die Art der Fortbewegung innerhalb des Areals zu begrenzen. Heute scheint der Schlagbaum jedoch hauptsächlich zum Abkassieren der Gebühren und Vermitteln von Touren in Betrieb zu sein, was uns den Besuch in dieser faszinierenden Landschaft etwas verleidet hatte. Trotzdem ließen auch wir uns zu einer, wenn auch überteuerten Kameltour hinreißen.

Die Landschaft war faszinierend und absolut wert, dorthin geradelt zu sein.

Von hier aus ging es zu einem der tiefsten Punkte der Erde, dem "toten Meer". Unterwegs fanden wir ein windgeschütztes Plätzchen und bauten unsere "Ein-Zimmer-immer-dabei-Wohnung" auf.


Die Landschaft wurde immer karger, die Behausungen der Menschen immer ärmlicher. Wir wollten uns gar nicht vorstellen, wie es im Hochsommer war, in dieser Gegend zu radeln, geschweige denn
zu leben.


Endlich erblickten wir das "Tote Meer". Da der Wasserstand immer mehr sinkt, steigt der Mineralgehalt in diesem Gewässer immer mehr, was zur Folge hat, dass jegliches Leben ausgelöscht ist. Ein Vorteil jedoch hat der hohe Salzgehalt: man kann sich wirklich einfach auf's Wasser legen und entpannt dahintreiben ;-)
Zehn Tage vorher hatten wir den Mujib Canyon an oberster Stelle beim Stausee durchradelt, hier vom toten Meer aus konnte man diesen Canyon von unten her erkunden. Bei uns in Deutschland könnte man so etwas nur mit einem Guide und hohen Sicherheitsauflagen machen, Hier in Jordanien bekam man lediglich eine Schwimmweste verpasst und dann ging es auf eigene Faust los...



























Der Sonnenuntergang war wieder einmal kitschig schön und wir genossen einen zweiten Abend in
unserem kleinen Bungalow mit Blick auf Israel.

Zeit zurück zu kehren nach Madaba, als die Mosaikstadt schlechthin bekannt, vor allem auch, weil hier die berühmte Palästina-Landkarte einen Kirchenboden ziert.

Einen Tag Zeit hatten wir noch, um uns in das Chaos der Hauptstadt Amman zu stürzen. Angesichts des Warenangebotes hatte Stafen keine Angst, dass wir mit Packtaschen voller Souvenirs und Kleidchen heimkamen.
Zwei Wochen herrlichster Sonnenschein begleitete uns auf unserer Radreise. Als wollte der Himmel weinen, dass wir Jordanien verlassen, schüttete es an unserem letzten Urlaubstag wie aus Kübeln. Trotzdem besichtigten wir noch die imposanten Relikte des Herkules-Tempels und das römische Theater.