Ladakh und Zanskar - 1.8. bis 5.9.2011


Ladakh war schon lange auf der Liste unserer Traumziele ganz oben und 2011 sollten wir dann endlich mitten im Himalaya, ganz im Norden Indiens, landen. Schon der Anflug auf Leh ist spektakulär und wem da noch nicht die Luft weggeblieben ist, der kommt spätestens bei den ersten Schritten auf 3500m Höhe ganz schön ins Schnaufen. 



Schon die wenigen Radkilometer vom Flughafen ins Zentrum und die Suche nach einem netten Hostel schafften uns. Von Kopfschmerz und Schwindel geplagt konnten wir uns nicht vorstellen, in wenigen Tagen auf große Tour zu gehen.

Zum Akklimatisieren war Leh jedoch ein idealer Ort: lohnenswerte Sehenswürdigkeiten wie der gewaltige Königspalast, der oberhalb der Stadt thront, wollten erkundet werden, in den gemütlichen Restaurants schlemmten wir feinstes indisches Essen und in den zahllosen German Bakeries gab es leckeren Kuchen. Außerdem war hier die letzte Gelegenheit für lange Zeit, unsere Lebensmittelvorräte aufzufüllen.





Nach drei Tagen fühlten wir uns dann fit genug, um auf dem Highway No.1 unser Radabenteuer zu starten. 

Durch das Industal ging es nach Westen Richtung Kashmir, wobei der Straßenbelag häufig innerhalb weniger Kilometer von feinstem Asphalt auf übelste Rüttelpiste wechselte.


Ein landschaftliches Highlight war dabei das Moonvalley, das wir im herrlichen Abendlicht erreichten.

In dieser fantastischen Gebirgswelt liegt wie ein Adlerhorst auf einem Felsen eines der schönsten Klöster von Ladakh: Lamayuru.

Nach Lamayuru standen dann gleich zwei Pässe an einem Tag an. Zunächst schlängelte sich die Straße in endlosen Serpentinen auf den 4105m hohen Fotu La und am späten Nachmittag mussten wir noch über den 3827m hohe Namika La. 


Ziemlich erschöpft und hungrig kamen wir abends im kleinen Örtchen Mulbekh an.

Die Zimmer im dortigen "Paradise Restaurant" waren aber selbst uns zu schmuddelig. Obwohl es schon dunkel war, fuhren wir weiter und nach einiger Fragerei fanden wir schließlich doch noch eine akzeptable Bleibe. Zum Abendessen bereitete man uns das Standartgericht dieses Urlaubs: viel Reis mit etwas Gemüse - nach einem anstrengenden Radltag trotzdem sehr lecker!

Die eigentliche Attraktion des Ortes, einen 7m hohen, in den Fels gemeißelten Buddha, hatten wir am Abend schlichtweg übersehen und so holten wir die Besichtigung am nächsten Morgen nach. 


Mulbekh ist die Religionsgrenze in dieser Region. Fährt man weiter nach Westen so ist der islamische Glaube vorherrschend, in den Ortschaften ruft der Muezin von den Moscheen morgens und abends zum Gebet und die Frauen und Mädchen tragen Kopftücher.

Im staubigen Armeestädtchen Kargil verließen wir schließlich die Hauptstraße Richtung Srinagar und bogen auf eine Nebenstraße ins Zanskartal ab. Dieses Tal ist nur wenige Monate im Jahr zugänglich, da in der restlichen Zeit die hohen Pässe zu verschneit sind. Höchster Gipfel in diesem Teil des Himalaya ist die beeindruckende Eispyramide des 7135m hohen Nun.



Je weiter man in Richtung Zanskar kommt, desto einsamer und wilder wird die Landschaft. Nur noch wenige Autos begegneten uns hier, dafür umso mehr Murmeltiere, die uns mit lauten Pfiffen "begrüßten" und uns misstrauisch beäugten, wenn wir in ihrem Revier unser Zelt aufstellten.


Kurz vor dem Zanskartal zelteten wir in der Nähe von Yakhirten und konnten frischen Yakyoghurt erstehen.


Am nächsten Morgen ging es über den Pensi La ins Zanskar Valley.

Auf der anderen Seite wartete der Darang Durung Gletscher auf uns, wobei Sabine nur trocken meinte: "Da hab' ich schon schönere Gletscher gesehen."

Vor allem die Kinder begrüßten uns im Zanskartal oft mit großer Begeisterung und hatten viel Spaß daran, fotographiert zu werden und ihr Bild auf dem kleinen Bildschirm der Digitalkamera anzuschauen.

 

Als wir den Ort Sani erreichten, war dort gerade ein großes Fest mit Musik und Tanz im Gange, zu dem die Bauern und Mönche aus dem gesamten Tal zusammengekommen waren.


In einer fantastischen Abendstimmung radelten wir weiter und erst kurz bevor es ganz dunkel wurde, fanden wir in einem kleinen Ort ein "Guesthouse", in dem wir die ersten Gäste überhaupt waren. Die sanitären Einrichtungen (zum Bad mit Toilette, das man sich mit allerlei Kleingetier teilte, ging es durch den Garten hinter Kuh und Pferd vorbei) waren noch ausbaufähig, aber die Besitzer machten das durch ihre freundliche Art locker wett. Extra für uns kochte man noch ein Abendessen (Reis mit Gemüse, was sonst ;-) und schenkte uns eifrig das selbstgebraute Chang (eine Art Bier, nur säuerlicher und ohne Kohlensäure) nach.  

Nachdem wir die herrliche Morgenstimmung genossen hatten ...

... radelten wir weiter nach Karsha, wo das größte Kloster von Zanskar an die steilen Felsen gebaut war. Als ich für ein Foto ein wenig hinaufgeklettert war, schnitt ich mir beim Heruntersteigen an einem messerscharfen Felsen den Unterschenkel so auf, dass ein Pflaster definitiv nicht mehr ausreichte. Zum Glück war das einzige Krankenhaus im Umkreis von 15 Busstunden nur 10 Kilometer entfernt. Allerdings war dummerweise Sonntag und damit war das Krankenhaus bis auf ein paar Patienten ziemlich verlassen. Nachdem Sabine im Ort den freundlichen Arzt und dieser nach einigem Suchen auch eine geeignete Nadel, einen Faden und eine rote Flüssigkeit zum desinfizieren gefunden hatte, flickte er mein Bein wieder zusammen. Bezahlen durften wir ihm dafür nichts.

Um der Wunde eine Chance auf Heilung zu geben, blieben wir daraufhin ein paar Tage in Karsha, besuchten das Kloster und planten unsere weitere Tour.

Der abenteuerlichste Teil stand uns nämlich noch bevor: Über einen Trekkingpfad wollten wir den Himalayahauptkamm überqueren und auf der anderen Seite die Straße nach Manali, dem geplanten Endpunkt unserer Reise, erreichen. Auf dem ersten Teil der Strecke kam uns eine Gruppe deutscher Trekker entgegen, die berichteten, dass sie wegen starker Schneefälle den 5100m hohen Shingu La nicht passieren konnten und umkehren mussten. Da sich das Wetter aber wieder deutlich verbessert hatte, ließen wir uns nicht entmutigen.

Den ersten Teil der Strecke konnten wir noch auf der Straße zurücklegen, die parallel zu dem Trek gebaut wird (und die diese Region in einigen Jahren wohl stark verändern wird). Diese führte an einigen spektakulär gelegenen Klöstern vorbei, von denen wir das Kloster Bardan besichtigten.



Dort wo die Straße ziemlich abrupt endete, mussten wir auf den schmalen, etwas unterhalb verlaufenden Weg ausweichen, der sich an den steilen Felsen entlangschlängelte.
















Auf einer Seite Felsen, auf der anderen ging es oft senkrecht runter zum reißenden Fluss - immer wieder war der Weg so schmal oder steil, dass wir Gepäck und Fahrrad einzeln transportieren mussten. Nach einigen Stunden Schufterei fanden wir dann die Brücke, die wir hätten überqueren müssen, um wieder auf den normalen Trek zu gelangen. Diese sah an sich schon nicht sehr vertrauenswürdig aus und sie wäre zudem nur mit einiger Kletterei erreichbar gewesen.
Ziemlich frustriert entschlossen wir uns daher dazu, umzukehren und waren heilfroh, als wir die Straße wieder erreichten.


Wir beschlossen, uns für unser Gepäck ein paar Pferdchen zu mieten und es auf der richtigen Seite des Flusses nochmals zu probieren. Im nächsten kleineren Ort wurden wir tatsächlich schnell fündig: Der Pferdeführer Tsewong, der sogar ein paar Bröckchen Englisch sprach, war nach einigen Preisverhandlungen bereit, uns mit drei Pferden zu begleiten. Das Zelt schlugen wir auf dem Pausenhof der dortigen Schule auf und waren dort für die Kinder durchaus eine Attraktion.


Gut ausgeruht luden wir am nächsten Morgen unser Gepäck auf die Pferde, verabredeten mit Tsewong den Treffpunkt für den Morgen und starteten erneut. Ohne Gepäck konnten wir nun viele Teilstücke radeln und dabei auch die wunderschöne Berglandschaft genießen. Der nette Tsewong erwies sich als sehr zuverlässig und half uns unterwegs in einigen Bauernhöfen auch ein Abendessen (mit Reis und Gemüse hatten wir inzwischen dicke Freundschaft geschlossen) zu organisieren.
Am zweiten Tag machten wir einen Abstecher durch eine enge Schlucht zum einsam gelegenen Höhlenkloster Phuktal, das wohl zu den schönsten in Zanskar gehört.




Noch etwa 70 Mönche leben und meditieren in der Abgeschiedenheit der Berge. Einige davon hatten durchaus Freude daran, einmal unsere Drahtesel zu testen.


Unterhalb des Klosters  hatten wir hier auch einen der genialsten Zeltplätze der Reise mit einer fantastischen Aussicht.



Nach ein paar Actionfotos machten wir uns am nächsten Morgen auf den Rückweg zum Haupttrek.



Dort angelangt, erwartete uns einer der landschaftlich schönsten Abschnitte, vorbei an bunt schimmernden Bergen, ursprünglichen Dörfern und langen Gebetsmauern mit kunstvoll verzierten Steinen.




Als wir an einem Nachmittag zu einem kleinen Ort abseits des normalen Treks fuhren, kam uns eine ganze Rasselbande freundlicher Kinder entgegen und führte uns durch den Ort und zu ihrer Schule. Sabine ließ es sich nicht nehmen eine kleine Englisch-Singstunde zu geben.



Am folgenden Tag ging es lange Zeit auf den markanten Gumburanjon (5900m) zu.


Danach wurde es dann mit dem Radeln schwieriger ...


... und so luden wir für die Überquerung des 5100m hohen Shingu La auch unsere Räder auf die Pferde. Den Pass erreichten wir gemeinsam mit einer Gruppe sympathischer Italiener, die ihr letztes Stück Parmesan aus Italien mit uns teilten.



Zwei Tage dauerte der Abstieg vom Pass und dann mussten wir nach insgesamt sieben Tagen Abschied von Tsewong und seinen Pferdchen nehmen.


Wieder vollbeladen ging es zur Hauptstraße von Manali nach Leh und dort weiter in Richtung Manali. Vor Manali mussten wir noch den fast 4000m hohen Rothang La überwinden. An dem Gebirgszug, über den dieser Pass führt, stauen sich in der Monsunzeit die Wolken und so radelten wir aus dem Sonnenschein geradewegs in Nebel und Regen hinein.


Vor dem Zustand der Straße (immerhin die Hauptverbindung vom indischen Tiefland nach Leh) hatte man uns schon gewarnt. Wir dachten: "So schlimm wird es schon nicht sein."

Es war schlimmer ...


So waren wir ziemlich froh, als wir in strömendem Regen endlich Manali erreichten. Im diesen sehr touristischen Städtchen relaxten wir ein paar Tage in einem idyllisch gelegenen Hostel, genossen den Luxus eines Bades mit warmer Dusche und schlemmten uns durch die Köstlichkeiten der vielen Restaurants. Nach vier Wochen war außerdem eine Rasur fällig, bevor es per Busfahrt mit Adrenalingarantie über die engen Bergstraßen ins Tiefland und nach Delhi ging.

Merke: In einem indischen Bus ist es nicht ratsam, in der ersten Reihe zu sitzen, denn vieles von dem, was da so auf einen zukommt, will man gar nicht so genau sehen.

Nach der Ruhe und Einsamkeit im Himalaya waren der Lärm, das Verkehrschaos und die vielen Menschen in Delhi ein heftiges Kontrastprogramm. Gerade das Durcheinander in den Gassen von

Alt-Delhi, die vielen Gerüche und Farben sind ein Flash für die Sinne.  








Natürlich durfte auch ein wenig Sightseeing nicht fehlen und wir besichtigten Jama Masjid, die größte Moschee Indiens und eine der größten weltweit.



Ganz in der Nähe der Moschee befindet sich das Rote Fort, das während der Mogulherrschaft im 17. Jahrhundert errichtet wurde. Das riesige Areal im Innern mit seinen zahlreichen Pavillions soll normalerweise eine ruhige Oase sein - wir waren allerdings an einem indischen Feiertag dort und so war es alles andere als ruhig, Dafür hatten sich die Besucher festlich herausgeputzt.




Neu für uns war, dass wir als eine echte Attraktion angesehen wurden.


Nun ja, und wenn man dann schon in Delhi ist, muss man auch noch ins gut 200 Kilometer südlich gelegene Agra, um das Bauwerk zu bewundern, das wohl wie kein anderes mit Indien verbunden wird. Und auch wenn man zuvor schon viele Fotos gesehen hat, ist es beeindruckend, die "perfekte Harmonie" mit eigenen Augen zu sehen.


Das letzte Abenteuer der Reise war die Fahrt hinaus aus Delhi zum etwa 20 Kilometer entfernten Flughafen. Dort belohnte uns Lufthansa mit einem Upgrade in die Business-Class - ein wunderbarer Abschluss für eine unserer bisher beeindruckendsten Reisen.