Kuba 6.8. bis 6.9.2010


Karte erstellt mit stepmap (www.stepmap.de)


Sozialismus unter Palmen, amerikanische Oldtimer, traumhafte Strände und der morbide Charme verfallender Kolonialstädte - all das lockte uns 2010 nach Kuba. Da sich die Ära Fidel Castro immer mehr dem Ende neigt und man nicht absehen kann, wie sich Kuba nach ihm verändert, schien es uns höchste Zeit für diese karibische Schönheit, von der Kolumbus einst sagte, es sei der schönste Flecken Erde, den menschliche Augen je gesehen haben.

Mittags landeten wir in Holguin, im Osten Kubas. 30° im Schatten - August ist als Reisezeit suboptimal, aber nach ersten Schweißausbrüchen gewöhnten wir uns in den folgenden Tagen an die feuchte Hitze. Schon auf den ersten Kilometern vom Flughafen ins Zentrum spürte man etwas vom "sozialistischen Flair" -  alles wirkte ein wenig heruntergekommen, Menschen standen in langen Schlangen vor Geschäften und der Straßenverkehr war geprägt von Pferdefuhrwerken und alten, stinkenden Lastern. Daneben prägten auch einige amerikanische Oldtimer, für die Kuba so berühmt ist, das Straßenbild. Doch dazu später mehr!


Von Holguin machten wir uns auf den Weg an die Nordküste noch Gibara, einem "Freiluftmuseum des Neoklassizismus", wie uns der Reiseführer versprach. Nun, das war vielleicht vor dem letzten Hurricane, denn inzwischen wirkte der Ort ziemlich verfallen. 

Die Menschen auf Kuba sind in der Regel sehr feundlich, jedoch gibt es im Wesentlichen zwei Kategorien: Diejenigen, die sich freuen mit einem Gringo zu quatschen und sehr daran interessiert sind, wo man herkommt und was man vorhat. Und dann diejenigen, die das alles gekonnt vorgeben und einem dann eine überteuerte Unterkunft vermitteln oder etwas verkaufen wollen oder aber nach einer rührseeligen Geschichte um ein paar Dollares bitten. Vor der zweiten Sorte warnte uns der sehr gut Deutsch sprechende Kubaner Frank, der uns durch Gibara führte, uns dann eine schöne, aber überteuerte Höhlentour vermittelte und schließlich noch etwas Geld für seine fast verhungernden Kinder erbettelte. Nun ja, eine wenig Lehrgeld zahlt man zu Beginn einer Reise meist...

Zumindest war die Höhle, die wir mit Gaslampen erkundeten, sehr schön und in einem unterirdischen Fluss gab es sogar ein erfrischendes Bad.


In einer herrlichen Morgenstimmung verließen wir Gibara ...


...und radelten zu den schönen Stränden von Guardalavaca, die allerdings am Sonntag sehr überfüllt waren. Über Banes ging es tags darauf auf einer der wenigen Autobahnen weiter nach Santiago de Cuba.


Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt der Insel. Viele Kolonialbauten finden sich hier, unter anderem das älteste Gebäude Kubas, das Case de Diego Velazquez (erbaut 1519).



Das Bild kubanischer Städte prägen vor allem auch die amerikanischen Oltimer aus den 50-er Jahren, die von reichen Kubanern 1959 auf der Flucht vor der Revolution zurückgelassen wurden. Da es auf Kuba so gut wie unmöglich ist, ein neues Auto zu erwerben, werden diese Vehikel mit viel Sorgfalt gehegt und gepflegt. Hier ein paar der schönsten Exemplare:




In der Nähe von Santiago de Cuba besichtigten wir noch die mächtige Festungsanlage Castillo el Morro. Von hier hat man bereits einen tollen Ausblick auf die Sierra Maestra, den höchsten Gebirgszug Kubas.


Auf einer der schönsten Strecken Kubas radelten wir an der Südküste entlang: Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen die fast 2000 Meter hohen Berge der Sierra Maestra. Touristen verirren sich nur selten hierher und auch der Verkehr ist sehr überschaubar, wohl auch, weil die Straße teilweise in einem ziemlich üblen Zustand ist...




Auch die Suche nach einer Unterkunft ist in dieser Ecke Kubas gar nicht so einfach und wir waren sehr froh, als uns Oscar in seiner kleinen Hütte übernachten ließ und uns abends auch noch bekochte.

Am nächsten Tag gingen wir dann den schweißtreibenden Weg über die Sierra Maestra an. Auf Serpentinen hat man hier verzichtet und die Straße einfach gerade den steilen Berg hinauf gebaut. Sabine war heilfroh, als sie von einer netten kubanischen Familie eine PS Unterstützung bekam.




Irgendwann musste aber auch Sabine wieder selber strampeln oder schieben. Der Weg führte über endlos erscheindende Gebirgszüge und dazwischen immer wieder hinab zu kleinen Bächen. Man kann sich gut vorstellen, dass sich Fidel Castro mit seinen Revolutionären seinerzeit in dieser Gegend gut verstecken konnte.




Wir waren jedenfalls ziemlich froh, als wir irgendwann das schöne Städtchen Bayamo erreichten.

Von dort aus überbrückten wir die Strecke durch die endlosen Zuckerrohrfelder mit einem Bus, der uns in Sancti Spiritus wieder ausspuckte. Dort lernten wir den netten Roberto kennen, der uns zu einer Führung in den Kirchturm einlud.

Am nächsten Tag radelten wir dann bei strahlendem Sonnenschein durch kubanische Bilderbuchlandschaft in Richtung Küste.

Auf dem Weg besichtigten wir den Turm einer Plantage. Was heute ein schöner Aussichtspunkt ist, diente früher dazu, die Sklaven bei ihrer Arbeit zu überwachen.

Unser Ziel: Trinidad, koloniale Perle Kubas und Weltkulturerbe. In den Straßen mit dem alten Straßenpflaster und den herrlich bunten Kolonialbauten fühlt man sich weit in die Vergangenheit zurückversetzt. Tagsüber teilt man sich das Vergnügen allerdings mit Busladungen voll von Pauschaltouristen, die mit ihren All-Inclusive-Armbändern zum Teil etwas unbeholfen durch die Gassen stolpern.

Für Sabine gab es sogar eine kleine Percussionslektion ...

Auf einsamen Straßen und Wegen radelten wir entlang der Küste.


Dabei wurden wir von Hunderten meist misstrauischer, manchmal aber auch fast schon zutraulicher Krebsen beäugt ...

Auf dieser Strecke kam auch unser Zelt das erste und einzige Mal zum Einsatz.

Nahe der geschichtsträchtigen Schweinebucht stiegen wir dann nochmals in den Bus, um den äußersten Westen Kubas zu erreichen. Er brachte uns in eine der schönsten Landschaften Kubas, nach Vinales.

Bei Nenita (dem Großmütterchen) und ihrer netten Familie fanden wir eine super Bleibe: Nenita verwöhnte uns in den folgenden Tagen mit Langusten und Hühnchen in den leckersten Variationen. Nur dass wir als Beilage gerne auf die allgegenwärtigen Bohnen mit Reis verzichten wollten, nahm sie uns bis zum Schluss nicht ab und stellte vorsichtshalber doch immer ein kleines Schälchen dazu ...

In der Gegend um Vinales wird der Tabak für die berühmten kubanischen Zigarren angebaut und so landet man unweigerlich irgendwann in einer der zahlreichen Trockenschuppen. Selbst wir als überzeugte Nichtraucher haben da mal einen Zigarillo gepafft (und versucht dabei keinen Hustenanfall zu bekommen). Es hat uns aber nicht wirklich auf den Geschmack gebracht.
In der Gegend um Vinales, die auch eine der touristischsten Gegenden auf Kuba ist, waren wir mal wieder heilfroh um unsere Bikes. So kamen wir auch zu Orten, die man ohne fahrbaren Untersatz kaum erreicht, wie diese wunderschöne "Badegrotte", die wir ganz für alleine uns hatten.
Schließlich zog es uns im frühen Morgenlicht weiter in den äußersten Westen Kubas.
Der Weg dorthin führte durch eine landwirtschaftlich geprägte Gegend, wobei auf Kuba Traktoren eine echte Seltenheit sind und die Bestellung der Felder noch echte Knochenarbeit ist.

Unser Ziel war Maria la Gorda, eine Bucht mit sehr schönen Stränden. Mit den Stränden ist das auf Kuba so eine Sache: Die tollen Sandstrände, die man in den Hochglanzprospekten der Reiseveranstalter sieht, gehören fast alle zu Ressorts für ausländische Touristen. Hier haben die Kubaner selber oft keinen Zutritt. Bei Maria la Gorda ist dies zum Glück noch nicht so. Bei der Ausstattung des Zimmers mussten wir allderdings gewisse Abstriche machen ;-)
Dafür waren die Strände vom Feinsten und die Sonnen-
untergänge unvergleichlich ...



Letzte Station unserer Kubareise war schließlich die Hauptstadt Havanna. Die historischen Bauten im Zentrum sind inzwischen sehr schön restauriert, etwas weiter außerhalb haben die Kolonialbauten eher einen morbiden Charme.

Im Coco-Taxi erkundeten wir die weniger touristischen Randbereiche und erfuhren dabei von unserem Chauffeur noch allerhand über die Sorgen, Nöte und Träume der Kubaner.
Besonders gut gefiel uns das Künstlerviertel Callejon de Hamel, wo das Herz der afrokubanischen Kultur schlägt und sonntags fetzige Rumbasessions stattfinden.
 Auch die tollen Amischlitten konnten wir in Havanna nochmals ausgiebig bewundern ...

 

Mit einem ordentlichen Gewitter verabschiedete sich Havanna von uns, bevor es am nächsten Tag nach einem letzten Bucanero (kubanisches Bier) zurück nach Hause ging.